Was ist Demenz?
Demenz ist kein einzelnes Krankheitsbild, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen, die mit einem fortschreitenden Verlust geistiger Fähigkeiten einhergehen.
Das Gedächtnis, die Orientierung, die Sprache oder die Entscheidungsfähigkeit können betroffen sein – immer in unterschiedlichem Ausmaß.
Formen der Demenz
Demenz kann in unterschiedlichen Formen auftreten, bei denen je nach Art vor allem das Gedächtnis, das Denken, das Verhalten oder auch die Bewegung beeinträchtigt sind.
Dabei gibt es verschiedene Ausprägungen, z.B. die Alzheimer (Gedächtnisverlust, bei ca. 60–70 % der Fälle), die vaskuläre Demenz (Folge von Durchblutungsstörungen im Gehirn), die Lewy-Körperchen-Demenz (mit Bewegungssymptomen und Halluzinationen) und die frontotemporale Demenz (mit starken Verhaltensänderungen).
Risikofaktoren:
- Alter (Hauptrisikofaktor)
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Bewegungsmangel, Rauchen, Übergewicht
- Bluthochdruck und Diabetes
- Soziale Isolation
- Familiäre Vorbelastung
Demenz ist nicht heilbar...
... doch frühe Diagnose, Aktivierung und Zuwendung können den Verlauf positiv beeinflussen.
Demenz verläuft individuell
Die Forschung des renommierten Professors für Psychiatrie Barry Reisberg trägt mit seinem Konzept der Retrogenese* maßgeblich zum besseren Verständnis des schrittweisen Verlaufs der Alzheimer-Krankheit bei.
Der Verlauf einer Demenzerkrankung kann mithilfe der sieben Stufen nach Reisberg systematisch beschrieben werden. Sie dienen als Orientierungshilfe, um Veränderungen besser einzuordnen und angemessen reagieren zu können.
Jede Demenz verläuft individuell – wichtig ist, den Menschen in seiner jeweiligen Lebensphase zu verstehen, nicht nur die Diagnose.
*Retrogenese beschreibt den geistigen und funktionellen Abbau, der in exakt umgekehrter Reihenfolge der Entwicklung vom Säugling zum Erwachsenen verläuft.
Die 7 Stufen nach Reisberg
Stadium 1 - Keine Auffälligkeiten
Im ersten Stadium sind keine auffälligen Symptome im Sinne eines Verlusts kognitiver Fähigkeiten vorhanden respektive sichtbar.
Stadium 2 - Sehr leichte Vergesslichkeit
Es treten erste, leichte Gedächtnisstörungen auf. Häufig benutzte Gegenstände werden öfter verlegt oder an sich bekannte Namen fallen der betroffenen Person nicht sofort ein. Objektiv ist keine Beeinträchtigung festzustellen.
Stadium 3 - Leichter Verlust kognitiver Fähigkeiten
Im dritten Stadium werden erste Gedächtniseinbußen deutlich sichtbar. Die Leistung im Beruf nimmt ab. Die betroffene Person hat vermehrt Wort- und Namensfindungsstörungen, verliert und verlegt Gegenstände und hat zunehmend Probleme, sich neue Namen zu merken oder organisatorische Aufgaben zu planen. Ebenso nehmen Orientierungsfähigkeit und Merkleistung ab.
Stadium 4 - Mäßiger Verlust kognitiver Fähigkeiten
Im vierten Stadium sind die Einbußen evident. Erstmalig sind Gedächtnislücken über länger vergangene, persönliche Ereignisse zu beobachten. Neben der zunehmenden, örtlichen Desorientierung treten vereinzelt auch zeitliche Orientierungsschwierigkeiten auf. Komplexe Angelegenheiten (etwa finanzielle) können nicht mehr selbst geregelt werden.
Stadium 5 - Mittelschwere kognitive Beeinträchtigung
Fremde Hilfe ist in allen Lebenslagen notwendig. Die betroffene Person ist noch in der Lage, Auskunft über seine eigene Person oder unmittelbar nahestehende Personen zu geben. Alltägliches Wissen, wie Namen, Adressen, Jahreszahlen, momentane Uhrzeit oder Aufenthaltsort ist allerdings nicht mehr abrufbar. Auch bei vermeintlich einfachen Tätigkeiten, wie z.B. Zähne putzen, Kaffee kochen, Duschen oder Ankleiden braucht es die Aufforderung und Unterstützung der Pflegekraft.
Stadium 6 - Schwere kognitive Verluste
Das Kurzzeitgedächtnis arbeitet nicht mehr. Die an Demenz erkrankte Person weiß noch den eigenen Namen. Aber, die eigene Geschichte hat sie (fast) vergessen. Ebenso die eigene Erkrankung. Andere Personen können noch als bekannt (im Sinne von vertraut) empfunden, jedoch nicht mehr zugeordnet werden. Die verbale Ausdrucksmöglichkeit reduziert sich auf einfache Wörter und Sätze. Tag und Nacht können nicht mehr unterschieden werden. Inkontinenz tritt häufig in diesem Stadium erstmals auf. Massive Persönlichkeitsveränderungen, wie z.B. Wahnvorstellungen, Ängste, Unruhe, zwanghaftes Wiederholen von Sätzen und Handlungen (Ticks) oder aggressives Verhalten sind möglich.
Stadium 7 - Sehr schwerer kognitiver Verlust
Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung verlieren die Betroffenen nach und nach viele ihrer Fähigkeiten. Selbst grundlegende Aktivitäten wie Sprechen oder selbstständige Bewegungen sind dann nicht mehr möglich. Die verbalen und motorischen Fähigkeiten nehmen stark ab und gehen schließlich vollständig verloren.
Demenz betrifft uns alle...
Durch gezielte Prävention könnten bis zu 45 % der Demenzerkrankungen vermieden oder hinausgezögert werden. Im Jahr 2025 kennt bereits jede dritte Person in Österreich jemand mit Alzheimer.
Demenz in Zahlen
Die Grafik der MAS-Demenzakademie veranschaulicht, dass die Zahl der Menschen mit Demenz in Österreich in den kommenden Jahrzehnten deutlich ansteigen wird - auf rund 290.000 Personen mit Demenz im Jahr 2050. Besonders stark betroffen sind ältere Altersgruppen: ab dem 75. Lebensjahr nimmt die Häufigkeit stark zu, mit dem höchsten Anstieg bei Menschen über 80 Jahre.
Damit wird Demenz künftig eine zentrale Herausforderung im höheren Lebensalter sein.